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ENERGIE INFORMATIONSDIENST           Ausgabe vom 31.03.2003

Steinkohle: Importanteil wird weiter wachsen

Der Rückgang der Steinkohlenachfrage in Deutschland wurde in den letzten Jahren deutlich abgebremst. Lag ihr Anteil am gesamten Primärenergieverbrauch in den 60-er Jahren noch bei über 50 % bzw. 120 Mill. t SKE, so schrumpfte dieser Wert im Zuge des Wegbrechens des Wärmemarktes bis 1985 auf 21% (79 Mill. t SKE). Innerhalb weiterer zehn Jahre verringerte sich der Anteil am gesamten Energieverbrauch trotz deutscher Wiedervereinigung nochmals und zwar auf 14 % (70 Mill. t SKE). Im Zuge der anhaltenden Konzentration auf dem relativ stabilen Kraftwerksmarkt ging die Nachfrage nach Steinkohle zwischen 1995 und 2002 nur noch moderat auf 64 Mill. t SKE zurück, das entspricht einem Anteil von derzeit 13% an der Energieversorgung. Diese Stabilisierung ging mit einem tiefgreifenden Wandel in der Zusammensetzung des Aufkommens einher. Daran hatte die Importkohle 1985 nur einen marginalen Anteil von 14 %. Dieser Wert stieg dann bis 1995 auf 24% an, um danach in kräftigen Sprüngen auf aktuell 57 % zu expandieren. Importiert wurden 2002 36 Mill. t SKE, während aus heimischer Förderung nur noch 27 Mill. t SKE. stammten.

Auslöser für die wachsende Weltmarktorientierung war zum einen die Liberalisierung des deutschen Steinkohlenmarktes durch Auslaufen des Kohlenzoll-Kontingentgesetzes Ende 1995, zum anderen aber trug vor allem die Vereinbarung der Kohlenrunde (März 1997) zum schrittweisen Abbau der Absatzhilfen bis 2005 zur Marktöffnung bei. Der deutsche Bergbau versucht nun, eine weitere Anteilsverschiebung zu Gunsten der Einfuhren zu begrenzen und argumentiert, dass die Importkohle allein keine Versorgungssicherheit gewährleisten könne. Eingeräumt wird aber zugleich, dass der Weltkohlenmarkt seit langem gut funktioniere und durch eine hohe Preisstabilität gekennzeichnet ist Gefährdungen aber könnten eventuell zukünftig auftreten.

Diese Argumentation wird eine weitere schrittweise Integration des deutschen in den internationalen Kohlemarkt allerdings kaum aufhalten können, heißt es aus Sicht der Kohlenimporteure. Die im Juni 2002 erzielte Einigung des EU-Rates über die zukünftigen Steinkohlenbeihilfen sieht einen bis 2010 geltenden Beihilferahmen vor und beinhaltet auch die rechtliche Absicherung der bis 2005 greifenden Ergebnisse der Kohlenrunde von 199 7. Grundsätzlich müssen aber auch nach 2005 die Steinkohlenhilfen weiterhin degressiv gestaltet sein. Dies bedeutet, dass weitere Förderkapazitäten stillgelegt werden müssen. Auch bei einem weiteren begrenzten Absinken des Steinkohlenverbrauchs ist ein Anstieg des Importanteils an der Marktversorgung auf die Größenordnung von zwei Dritteln bereits in den nächsten Jahren wahrscheinlich.

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